
Oktober 2021: Die Ostsee dümpelt in der Kieler Förde mit ca. 14 Grad Wassertemperatur vor sich hin. Lars Mack und ich schwimmen mal wieder gemeinsam durch die kühlen Wellen. Im Olympiahafen von 1972 in Schilksee liegen noch einige Boote. Die Segelsaison neigt sich dem Ende zu. Nicht aber für uns, die beim Kaltwasserschwumm erst richtig loslegen und auf mehr oder weniger lustige Ideen kommen. Nach dem Training – eingemummelt in warmen Jacken – sitzen wir noch ein bisschen zusammen und trinken heißen Tee aus der Thermoskanne.
„Wir holen das mit dem olympischen Gedanken einfach nach“
Lars Mack

„Weißt du, Wunni“, sagt Lars, „nächstes Jahr, also 2022 feiern die Olympischen Sommerspiele von 1972 ein rundes Jubiläum.“ „Wahnsinn, wie die Zeit vergeht“, entgegne ich. Ich war damals acht Jahre alt, und es waren die ersten Olympischen Spiele, die „ich wirklich bewusst und vor allem fasziniert verfolgt habe.“ Lars, der 1972 noch nicht auf der Welt war, lacht: „Wir könnten das mit dem olympischen Gedanken ja nachholen?“ „Du meinst, dabei sein ist alles?“ „Genau, wir besuchen die olympischen Stätten von damals. Überall dort, wo Wasser im Spiel war, schwimmen wir!“ Die Geburtsstunde einer Idee.

April 2022: Wir stehen vor der Olympiaschwimmhalle in München. Vor diesem Schwimmtempel mit seiner gewagten Zeltkonstruktion, mitten in der bayerischen Landeshauptstadt, am Coubertinplatz 1. Im Hintergrund ragen die Flutlichtmasten des Olympiastadions in den Frühlingshimmel. 1972. Diese Spiele sollten so ganz anders sein als die im Nazideutschland von 1936. Fantasievoll, freundlich, fröhlich, fair. Gut organisiert. Mit modernsten Wettkampfstätten, dicht beieinander und nachhaltig. Heute: 50 Jahre nach Olympia in München kann der Besucher all das nicht nur bestaunen, sondern immer noch nutzen. In der olympischen Geschichte eher die Ausnahme denn die Regel. Wir sind verabredet. Mit Verena Hawe.

Insider kennen sie eher unter ihrem Mädchennamen „Vreni“ Eberle. Und Michael Hahn, der Leiter des Hochschulsports in München und Quasigastgeber, ist auch da. Vreni und Michael kennen sich, beide sind und waren erfolgreiche Schwimmer. Allerdings mit unterschiedlich guten Erinnerungen an das Münchner Olympiabad.
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