
Mein Sitznachbar kramt in seinem Rucksack und zieht eine Mappe heraus. Mit handschriftlichen Tabellen. Fein säuberlich dokumentiert, in Klarsichthüllen verpackt und auf kariertem Papier geschrieben.
„Sieht ein bisschen wie ein Matheheft in der Schule aus“, flunkere ich. „Genau. Das war viel Arbeit“, entgegnet der Eisenbahnfan. Horst fährt die Strecke Hannover – München regelmäßig. Manchmal sogar mehrmals im Monat. Morgens hin, nachmittags zurück. Eine Art freiwillige Streckenkontrolle.
Nächster Halt: Fulda

Das ist mehr als nur ein Hobby. Für mich ist mein Gesprächspartner der Mann mit Tunnelblick. Gerade verlassen wir Kassel. Der nächste Halt ist Fulda. „Warum machen Sie das?“, frage ich Horst. „Es macht ja sonst keiner. Wie ich schon sagte: Als Rentner habe ich viel Zeit.“ Zeit, die er auch in Zügen anderer Länder zubringt. In Österreich, in Frankreich und vor allem in der Schweiz. Nur in Osteuropa ist er nicht so gerne unterwegs.
„Bei den Eidgenossen fahren die Züge wirklich noch pünktlich. Das ist ein Genuss.“ Der Gotthard-Tunnel hat es Horst besonders angetan. Der alte und der neue. Also jener Tunnel, der seit dem 19. Jahrhundert den Norden und den Süden verbindet. Faszination Tunnelbau.



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