Die sportliche Frau hat diesmal eine besonders coole Idee im Gepäck. Besser gesagt: Einen Musikkoffer in der Hand. Darin eine Zither. Denn die spielt Karin für ihr Leben gerne. „Wo könnte die Zither besser erklingen als im Natureispalast“, lacht sie. „Hier ist Zittern ja quasi Pflicht, vor allem wenn man im Eiswasser schwimmt.“

Behutsam öffnet Karin den Koffer, holt das Musik-Instrument heraus. Dann entkleidet sich die Zitherspielerin bis auf ihren Bikini und die Wollmütze. Christof Wandratsch steht daneben und schmunzelt. „Je extremer, desto lieber macht sie das.“ Sagt es und drückt Karin ein Bussi auf die Wange. Die Zither haben sie auf einen Rettungsring geschnallt. Denn gespielt werden soll im Eiswasser.
„Ohrwurm: Der dritte Mann„

Karin haucht ein letztes Mal in ihre zu Fäusten geballten Finger. Ein bisschen Wärme noch, bevor die Finger klamm werden. Hinein ins Eiswasser. Über eine Aluleiter steigt die Musikerin in die Tiefe. Es ist glatt. Das Licht schimmert mystisch. Hinter Karin gähnt die Eisgrotte. Richtig schwimmen will sie heute nicht. Ihre Hände aber werden nass. Nicht gut für das Spiel mit der Zither. An der Wollmütze trocknet sie die Finger. Erste zarte Klänge… „Karin, was werden wir hören“, ruft ein Zuschauer in die Tiefe des Schlunds. „Ich probiere mal den Dritten Mann aus dem Filmklassiker mit Orson Welles.“



Der Ohrwurm erklingt. Die Akustik ist gigantisch. Die Höhle spendet den Hall frei Haus. Karin spielt andächtig. Jeder der Anwesenden erkennt die Melodie auf Anhieb, einige summen mit. Roman Erler, der Entdecker des Natureispalastes lauscht andächtig. Der Mann hat etwas wässrige Augen. „Ich habe schon einiges erlebt hier. Aber Zithermusik in der Höhle des Zitterns noch nicht.“
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