
Lieber jetzt, als später, wenn es kein Zurück mehr gibt. Ausweichrouten finden sich nicht wirklich. Einen Klettersteig quasi in Gegenrichtung runterwärts zu machen, ist oft töricht und birgt Gefahren.
Die drei jungen Damen und ich hangeln uns am Turm empor, queren zum Beppo-Pfeiler, die C-Stellen puschen den Puls. Der Fels ist warm, die Sonne brennt in den Nacken, der Schweiß tropft auf die Knie und das Kalkgestein. „Alles okay bei euch?“, versichere ich mich.
„Ja, alles gut. Ist cool“, entgegnet Vicky. Stella und Lykka nicken. In der Hitze sind die kurzen Aufschwünge nasse Prüfungen. Sie pressen das Wasser förmlich aus dem Körper. Schweiß strömt über Stirn, Nacken, Arme und Beine. Hoffentlich reichen die Wasservorräte.
König aus Kalk

Zeit für einen Blick auf König Watzmann ist immer drin. Wuchtig steht er da. Ein 2.713 Meter hoher Klotz aus Kalk. Die Ostwand gilt mit ihren 1.800 Metern als höchste Felswand der Ostalpen. 2011 habe ich sie durchstiegen, mit anschließender Überschreitung des Massivs. Etwa zehn Stunden haben Ostwand und Überschreitung bis zum Watzmannhaus gedauert.
Eine absolut alpine Tour. Die Mittelspitze wurde übrigens im August 1800 erstmals durch den Slowenen Valentin Stanič erreicht. 32 Jahre später war es Peter Karl Thurwieser, der die Südspitze bestieg. Weiter unten leuchtet sattgrün der legendäre Königssee. Ein echtes Naturjuwel. Weltberühmt und Energiespender für den weiteren Anstieg. Die Landschaft trägt, sie gibt Kraft, wenn die Arme langsam schwer werden.


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